1907 – Gründung Alpenverein „Bergfrei“

Im Jahr 1907 schloss sich eine kleine Schar begeisterter Naturfreunde und Bergsteiger im Alpenverein „Bergfrei“ zusammen. Das Ziel bestand darin…

„…in guter Kamaradschaft die Schönheiten der Bergwelt kennen zu lernen, teilhaftig zu werden an dem Genuss der Bergpracht und ganz besonders sich zu ergötzen und zu erholen in Gottes freier Bergnatur und sich zu erstarken für den Kampf des Alltags an den Möglichkeiten der erhabenen Bergriesen.“

1913 – Gründung Sektion „Bergfried“

1913 entstand durch interne Unstimmigkeiten ein Bruch in der Kamaradschaft, was letztendlich zur Aufspaltung des Vereins führte. Unter dem Vorsitz von Simon Hall gründeten 10 ehemalige Mitglieder den „Alpenverein Bergfried“. Noch im selben Jahr erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 29. Mit der Gründung des „Alpenvereins Bergfried“ war der Deutsche und Österreichische Alpenverein bereits 50 Jahre alt. Das heißt die Erforschung der Alpen war bereits weitgehend abgeschlossen. Was folgte war die Zeit der Erschließung, in der man die Schönheit der Alpen für den „Massentourismus“ entdeckte. Von der nun einsetzenden stürmischen Entwicklung profitierte auch die junge Sektion Bergfried, die sich ganz „der schärferen Richtung des Alpinismus“ verschieben hatte.

1. Weltkrieg 

Der gedeihliche Aufschwung des Vereinslebens stagnierte durch den 1. Weltkrieg vorübergehend. Bereits 1914 zogen 10 Kameraden ins Feld. 1918 standen noch 29 im Heeresdienst. Drei Mitglieder des Alpenvereins Bergfried kehrten nicht zurück. Ein verlorener Krieg, Revolution, Not und Hunger trugen dazu bei, dass sich das Vereinsleben nur sehr zögernd wieder erholte. Bis 1919 fanden sich jedoch 60 Bergkameraden wieder zusammen und begannen mit dem Wiederaufbau des Vereins.

Nachkriegszeit

Der nun einsetzende Aufschwung beflügelte das bereits vorhandene Bestreben eine Sektion des großen Deutschen und Österreichischen Alpenvereins zu werden. Tourentätigkeit und interner Vereinsbetrieb wurden darauf abgestellt die notwendigen Voraussetzungen für eine Aufnahme zu schaffen. Dank der Qualifikationen des Vereins in bergsteigerischer und gesellschaftlicher Beziehung waren die Bemühungen des damaligen Vorsitzenden Simon Hall von Erfolg gekrönt und der Verein wurde 1920 als ein Mitglied in den DuÖAV aufgenommen. In der Folgezeit wurden die Hoffnungen und Erwartungen der Sektionsgründer nicht enttäuscht.

„Eine in den Nachkriegsjahren einsetzende Wanderbewegung und der begonnene Massentourismus machten sich auch im Mitgliederzuwachs der Sektion bemerkbar. Trotz strenger Aufnahmebedingungen – Stellung von zwei Bürgern, Teilnahme an mehreren Führungstouren und Nichtaufnahme von Frauen – stieg die Mitgliederzahl von 82 im Jahr 1921 auf 173 im Jahr 1924.“

Über die Sommerfahrten hinaus hatte sich vor allem die jüngere Generation nicht nur dem Bergsteigen, sondern auch dem rasch aufkommenden Skilauf verschrieben. Bereits 1922 wurde innerhalb der Sektion eine Skiabteilung gegründet und die ersten Skikurse abgehalten. Da es zu dieser Zeit noch keine Lehrmethode gab, war es Aufgabe jener Kameraden, die nach damaligen Verhältnissen den Skilauf meisterlich beherrschten, die Ausbildung zu übernehmen. So konnten bald interne Wettkämpfe veranstaltet werden, die großen Zuspruch fanden. Darüberhinaus wurde der Tourenskilauf immer populärer, sodass auch die ersten Winterführungstoren veranstaltet wurden.

Es folgten Ende der 20er Jahre Meinungsverschiedenheiten zwischen Jung und Alt bezüglich der richtigen „Nutzung“ der Berge, die sich in der wechselvollen Geschichte des Vereinslebens widerspiegeln. Die genaue Ursache für die erhitzten Gemüter lässt sich nur noch in Auszügen rekonstruieren. Eine Rolle spielte jedoch mit Sicherheit ein durch Wettersturz bedingten Unglück am Totenkirche im Wilden Kaiser, welches das Leben von vier jungen Bergsteigern der Sektion forderte und Vorwürfe an die Jugend als Folge hatte. Auch die Skiabteilung mag ihren Teil  zu den Unstimmigkeiten beigetragen haben, herrschte unter den älteren Mitgliedern doch die Ansicht vor, dass der Skilauf für die Erschließung des Gebirges nicht geeignet sei. Nach der Glättung der Wogen durch die Auflösung der Skiabteilung, die Übernahme der Skihütten in Sektionsobhut und dem Verzicht auf Tourenberichts- und Führungstourenzwang der extremen alpinen Richtung, konnten neue Ziele ins Auge gefasst werden.

1927 – Kauf der Alpenrose 

Wie jede Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins erstrebte auch die Sektion Bergfried ein eigenes Sektionsheim. Die  Entscheidung fiel auf die Alpenrose-Hütte Nachsöllberg bei Westendorf, in einem damals noch fast unbekannten Gebiet der Kitzbühler Alpen. Durch freiwilligen Arbeitsdienst, Geldspenden sowie die Zeichnung von Anteilsscheinen trugen die Mitglieder dazu bei die Hütte zu einem Bergsteigerheim zu machen, wie man es sich damals im Besten Sinne vorstellte. Das Ende der 20er Jahre war außerdem geprägt von Diskussionen zur Aufnahme von Frauen in die Sektion. Wegen des eingeführten Versicherungsschutzes wollten auch Frauen die A-Mitgliedschaft beantragen und einige Mitglieder strebten an ihre Töchter dem Alpenvereinen zuzuführen. In einer Hauptversammlung mit erregter Debatte wurde die Aufnahme von Frauen schließlich beschlossen. Jäh unterbrochen wurde diese positive Entwicklung des Vereinslebens durch die politischen Veränderungen in Deutschland, die über Wirtschaftskrise mit Arbeitslosigkeit, Gleichschaltung der Vereine im Nationalsozialismus bis zum Krieg führten.

2. Weltkrieg – Die Sektion 1933 – 1945

Mit der Änderung der politischen Machtverhältnisse in Deutschland wurde der Hauptverein der neuen Dachorganisation des Deutschen Bergsteiger- und Wanderverübendes zugeschlagen und in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Die einzelnen Sektionen mussten nach dem Führerprinzip geleitet werden, völkisch-rassistisches Gedankengut sollte den Mitgliedern durch einen Dietwart vermittelt und der Wehrgedanke unter den jungen Kameraden besonders gefördert werden. Der alpine Gedanke blieb in der Sektion Bergfried dennoch vorherrschend, wie ein Versuch des Aufbaus einer Jugendgruppe zeigt.

„Das gute kameradschaftliche Verhältnis der Mitglieder und der Vorstandschef untereinander hielt auch weiterhin die Politik fern und mancher Bergkamerad aus einer aufgelösten Organisation fand nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft in der Sektion einen Freundeskreis. Der persönlichen Einstellung zu den politischen Verhältnissen begegnete man mit Toleranz und ohne Gewissenszwang.“

Von den ersten gepachteten Almen im Wendelsteingebiet, der Lacheralm (1922-1927) und der Arzmossalm (1922-1935), ist nur noch wenig bekannt. Sie dienten jedoch als beliebte Stützpunkte für die Skiabteilung. Die Erinnerungen der langjährigen Mitglieder setzen mit der Pacht der Unteren Krainsbergalm (1937-1949) im Dufttal ein. Aufgrund der Zeitumstände hatte diese Alm einen besonderen Stellenwert. Als Angelpunkt im Leben während des Krieges  haben Abschieds- und Wiedersehensabende das Geschehen bestimmt. Trotzdem erinnern sich die Mitglieder noch heute übereinstimmend and die schöne Zeit, die sie auf der Hütte verbracht haben. Die Anekdoten dieser Zeit sind über weite Kreise der Sektion bekannt. So war es während des Krieges verboten im Zug Ski zu transportieren. Man fand jedoch heraus, dass in einem Ofenrohr wunderbar ein Paar Ski Platz hatte und über die Mitnahme von Ofenrohren im Zug gab es keinerlei Vorschriften. (Weitere Anekdoten aus der Vereinsgeschichte findest du hier.)

Durch die geschaffene Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ wurden Bus- und Zugfahrten verbilligt Daher nahmen die Freizeitmöglichkeiten stark zu.

„Größter Beliebtheit erfreuten sic die Sonderzüge in die Wintersportgebiete vom Allgäu bis nach Berchtesgarden, mit welchen es möglich wurde Skifahrten ohne Übernachtung am Sonntag durchzuführen und den Tag bis zur Neige zu genießen.“

Für Fahrten in das Gebiet Alpenrose war es weniger gut bestellt, da es aufgrund der sich zuspitzenden politischen Lage zwischen Deutschland und Österreich zu einer Grenzsperre von 1933-1936 gekommen war. Der Ausbruch des 2.Weltkriegs im September 1939 bestimmte für die kommenden Jahre das Vereinsgeschehen. Immer mehr Mitglieder wurden zur Wehrmacht eingezogen. Bei Kriegsende standen über fünfzig Prozent beim Heer. Die Zurückgebliebenen versuchten das Sektionsleben aufrechtzuerhalten. Verbindung zu Bergkameraden an der Front hielt man durch Rundschreiben, welche allerdings zunehmend von gefallenen oder ausgebombten Mitgliedern berichteten.

Die letzte Hauptversammlung fand am 28.Mai 1943 statt. Zu den Sektionsabenden fanden sich bis zur Zerstörung des Salvatorkellers im Mai 1944 noch einige Mitglieder bei Dünnbier zusammen. Bis zum Einsetzen der nächtlichen Fliegerangriffe wurden sogar Lichtbildervorträge abgehalten. Mit der Besetzung Deutschlands 1945 durch die Alliierten wurde der deutsche Alpenverein von der Militärregierung verboten.

Neuaufbau der Sektion 1945 – 1956

Mit der Zeit lockerten sich die strengen Vorschriften. Eine Wiederzulassung der Sektion wurde in Angriff genommen. Die Zulassungsbestimmungen enthielten die Forderung einer politisch unbelasteten Vorstandschef und jegliche Enthaltung militärischer, rassistischer und politischer Betätigung. Im Februar 1947 hatten die unendlichen Bemühungen von dem damaligen 1.Vorsitzenden und Ehrenmitglied Josef Meyer Erfolg. Im Juli 1947 erschien das erste Rundschreiben mit einer Einladung zur Mitgliederversammlung im Salvatorkeller.

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Als Ersatz für die Krainsbergalm, die aus Kostengründen 1949 aufgegeben werden musste, ergab sich 1950 die Gelegenheit der Pacht der Längentalalm im Isarwinkel. Der Pachtvertrag wurde von  dem langjährigen Hüttenwart Fritz Nowitzki mit der Familie Ehrt zunächst für fünf Jahre ausgehandelt. Die Alm war von der damals noch ummotorisierten Jugend nur per Eisenbahn zu erreichen. bis Oberarmes fuhr der Zug, die Fähre brachte die Anreisenden über die Isar und dann stand noch ein 2,5-stündiger Marsch durchs Längental bevor auf dem das Ochsenklavier passiert werden musste. Dennoch wurde das Quartier begeistert von der Jugend angenommen. Neben manch rauschendem Fest, untermalt von der Teufelsgeige, Gesang und der geretteten Gramola, gefolgt von heftigem Kater am nächsten Morgen, bot sich auch die Gelegenheit zum Klettern an Kirschsteinen und Probstwand und zum Skifahren am Probsthang und Rotöhrsattel. Die Begeisterung war so groß, dass sie aus eigener Iniative 1956 ein eisernes Bergkreuz auf dem Hinteren Kirschstein richteten und bei der Gelegenheit den restlichen Mörtel gleich die Wand hinunterkippten, und die brüchigen Griffe etwas zu festigen.

1956 – 1978 Kampf um die Erhaltung der Alpenrose

Durch einen sogenannten Bestandvertrag wurden ab 1. Januar 1956 wieder die Rechte auf die Alpenrose in Westendorf erworben, die bis dahin treu händisch vom österreichischen Alpenverein verwaltet worden war. In den folgenden Jahren nahm die Sorge um die Hütte jedoch zu. Hohe finanzielle Aufwendungen führten zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Sektion. In der Hauptversammlung 1976 und 1977 sprach sich die Mehrheit der anwesenden Mitglieder für den Verkauf aus.

Mit schönen alpinen Erfolgen in vielen Gebieten der Alpen und anderen europäischen Gebirgen konnte sich zudem die Jungmannschaft in den 60er Jahren einen Namen machen. Die kameradschaftlichen Bande aus diesen Tagen haben bis heute gehalten und verleiten die jetzigen „Oldies“ noch immer zu gemeinschaftlichen alpinen Taten.

80er Jahre

Die 80er Jahre waren gezeichnet von einem ruhigen Vereinsleben. Die Tourentätigkeiten bestanden für einige Jahre in erster Linie aus Herbst- und Frühjahrsgemeinschaftsfahrten nach Südtirol. eine jährliche Kurfahrt per Bus wurde zudem auf Anregung der älteren Sektionsmitglieder als ein fester Programmbestandteil eingeführt. Die durch den Verkauf der Alpenrose freigewordenen Gelder sollten wieder in den Kauf einer Vereinsunterkunft investiert werden. Neben der Suche nach einem neuen Vereinsheim wurden verstärkt Aktivitäten zur Gründung einer neuen Jugendgruppe unternommen. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen der Sektion sollten zur Mitarbeit angespornt werden. Neben den gutbesuchten winterlichen Aktivitäten auf der Längentalalm 1981/82 wurden kurzzeitig die Räume im Kriechbaumhof als Jugendtreffpunkt vom DAV genutzt. Allerdings war der Zuspruch auf Dauer zu gering, um eine Jugendgruppenarbeit aufrecht zu erhalten. Zum Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er Jahre machte sich die Tendenz der Nutzung der Vereinsunterkünfte durch die der Jugendgruppe entwachsenen Mitglieder positiv bemerkbar. Vor allem zeigten diese Mitglieder durch die Teilnahme an der jährlichen Holzaktion zum Halmaufzug im Längental Präsenz, um bei der Vergabe der begehrten Termine berücksichtigt zu werden.

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Vereinsheim Steinberg im Rofan

Die Suche nach einem neuen Vereinsheim war 1989 vom Erfolg gekrönt. In Steinberg im Rofan wurde ein Haus gepachtet, das sich für die Vereinszwecke geeignet erwies. Wieder zeigte sich der Gemeinschaftsgeist der Sektionsmitglieder, die in unzähligen Arbeitstouren das Haus entrümpelten und Lager bzw. einen gemütlichen Aufenthaltsraum einrichteten. Die zu Beginn der 90er Jahre laufenden Verkaufsverhandlungen erwiesen sich allerdings als schwierig, da die Österreichische Gemeinde ihre Einwilligung zum Verkauf an deutsche Eigentümer wegen Überfremdungsgefahr verweigerte. Das Pachtverhältnis wurde bis zu Beginn der Jahrtausendwende aufrechterhalten, bis im Jahr 2003 ein Kauf möglich wurde.

Die Übernachtungszahlen in „Haus Bergfried“ pendeln sich derzeit nach den „fetten“ Jahren mit mehr als 600 Gästen pro Jahr bei knapp 400 Übernachtungen pro Jahr ein. Eine Gruppe tatkräftiger Helfer rund um die Hüttenwarte hält das Haus in Schuss und arbeitet kontinuierlich an der Verbesserung der Ausstattung. Dabei stehen Schlafräume, Aufenthaltsraum und Toiletten und Bäder im Mittepunkt der fortlaufenden Sanierungsmaßnahmen.

Gegenwart und Ausblick.

Heute steht der Erhalt der Hütten und Unterkünfte im Mittelpunkt der Sektion Bergfried. Die Längentalalm ist nach wie vor in den Herbst-Wintermonaten ein beliebter Stützpunkt für Jung & Alt. Die jährlichen Arbeitstouren sind ein Eckpfeiler des Sektionsgeschehens, ebenso wie in Haus Bergfried.

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Das heutige Programm der Sektion Bergfried ist stark abhängig vom Interesse und Engagement der Mitglieder. Gerade für eine kleine Sektion ist die Mitarbeit aller geradezu lebensnotwendig, und nicht zuletzt gibt es – 125 Jahre nach der Gründung des Alpenvereins immer noch viel zu tun. Zwar haben sich die Ziele und Aufgaben grundlegend geändert, die Bedeutung für uns, als Nutzer der Alpen für Freizeit und Erholung, ist heute jedoch wichtiger denn je.