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ViaSpluga – auf den Spuren der Säumer

Bereits die Römer nutzen die direkte Verbindung vom Süden über den Alpenhauptkamm in den Norden und hinterließen ihre Spuren. Seit 2001 sind zweitausendjährige Transitgeschichte, Kultur und Naturschauspiel in einem 65 km langen Wanderweg von Thusis nach Chiavenna nacherlebbar gemacht, wenn man sich 4 bis 5 Tage Zeit nimmt. Imposante Brücken, Schluchten und Wasserfälle warten auf den Wanderer. So lauteten die Versprechungen des Fremdenverkehrsamts Splügen, denen ein kleines Grüppchen Bergfriedler Ende August Folge leisteten.

Für die meisten Mitläufer war eine Weitwanderung absolutes Novum der Urlaubsgestaltung. So war die Planungsphase von vielen Zweifeln geprägt, ob man sich auf ein solch gut organisiertes „Abenteuer“ mit Hotelkomfort und Gepäcktransport einlassen sollte. Die Neugierde nach den Naturschönheiten überwog schließlich, so dass sich eine Gruppe von acht Teilnehmer(inne)n zusammenfand, die sich in 5 Tagesetappen von Sils i.D. in der Schweiz am Hinterrhein entlang auf den Weg über den Splügenpass nach Italien machten.

Schon nach dem ersten Wandertag war sich die Gruppe einig: Die kurzweilige und von landschaftlichen Höhepunkten über den Traversiner Steig und durch die Viamala-Schlucht gespickte Streckenführung ließ die Strapazen des Laufens in den Hintergrund treten. Mit reichlich Pausen, um Aus-, Ein- und Tiefblicke zu genießen ließ sich die Etappe gut bewältigen, so dass am Nachmittag auch noch der Elan für den Besuch der Kirche Stankt Martin in Zillis vorhanden war.

Am zweiten Tag wechselten sich das Rauschen des Straßenverkehrs des neuzeitlichen Reisens immer wieder mit dem des Hinterrheins ab. Nach dem Höhepunkt des Rofflawasserfalls zog sich die Strecke in die Länge und wir waren alle froh, als sich das Tal am Nachmittag endlich öffnete und den Blick auf den See und Sufers freigab.

Schließlich wartete am nächsten Tag der eigentliche Höhepunkt der Weitwanderung: nach Splügen mit dem eindrucksvollen Wechselspiel der Architektur der Handelsfamilien mit den Walser Holzhäusern begann der schweißtreibende Aufstieg auf die Passhöhe. Hier erwartete uns das Wegstück, das das historische Reisen über den gepflasterten Säumerweg eindrucksvoll nacherlebbar machte. Auch ohne die Last der Waren auf dem Rücken war der Anstieg unter sengender Sonne anstrengend. Nichtsdestotrotz bildete dieses Kernstück der Weitwanderung ein weiteres Highlight der ViaSpluga, dass auf dem Splügenpass gipfelte. Fürstlich entlohnt wurden wir nach der Anstrengung des Tages durch den Aufenthalt im Albergo della Posta in Montespluga mit einem 4 Gänge Menu – schließlich waren wir jetzt ja bereits in Italien angekommen. Hier wurde die Geschichte des Reisen mit der Postkutsche auf Flur und in jedem Zimmer erlebbar.

Auch am vierten Tag setzten sich die landschaftlichen Höhepunkte durch die Wegführung über große Steinbrocken entlang des Stausees fort gefolgt von der Cardinello-Schlucht, deren furchteinflößender Ruf ihr vorausgeeilt war durch die abendliche Lektüre im Reiseführer. Die in den Fels gehauenen Passagen wurden nicht nur von den Postreisenden und Säumern sondern auch von den Truppen Napoleons genutzt. Bestimmt waren nicht nur wir froh, wieder in die Zivilisation der nächsten Ortschaften einzutauchen. Am Ende des Tages statteten wir in Campodolcino noch dem Museo della Via Spluga auf einen Besuch ab. Untergebracht in einem typischen Palazzo wurde das Leben und der Warentransport aus früheren Jahrhunderten anschaulich verdeutlicht.

Schließlich wartete schon die letzte Etappe der 5-Tages-Wanderung auf uns – der Abstieg nach Chiavenna. Nicht nur die Vegetation mit Esskastanien zeige südliches Flair, auch die bellenden Hunde in jedem Örtchen machte klar, dass wir in Italien angekommen waren. Der Abstieg bis auf 333 m Meereshöre war geprägt von Ruinen am Wegrand, die von vergangener Bedeutung der Orte entlang der Handelsroute zeugten, Kirchen um für göttlichen Segen auf dem Weg über den Pass zu bitten und nicht zuletzt hochsommerlichen Temperaturen. Dennoch musste sich ein Teil der Gruppe sputen, da zu viert noch am gleichen Tag der Weg per Postbus zurück über den Pass geplant war, während der andere Teil noch gemütlich in Chiavenna Station machen wollte. Vom Blick aus dem Bus konnten wir noch einmal große Teile der Strecken nachvollziehen, die wir in 5 Tagen gelaufen waren. Als Belohnung für die Strapazen wartete in Andeer nicht nur das Basislager mit Käsefondue auf dem Zeltplatz auf uns, sondern auch die Entspannung für die müden Muskeln im Thermalbad.

Allen anfänglichen Bedenken zum Trotz waren sich am Ende der Reise alle einig: Es war eine Schau und wir treffen uns 2019 wieder auf dem nächsten Weitwanderweg.

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